European Consortium for the Certificate of Attainment in Modern Languages (READING)-B2



Leseverstehen


Aufgabe:

Auch in Deutschland gibt es noch Analphabeten. Lesen Sie dazu einen Artikel und ordnen Sie danach den Textabschnitten die passenden Teilüberschriften zu. Achten Sie auf das Beispiel.

Leseschwierigkeiten
0. Es ist kaum zu glauben, aber fast 290 Jahre nach Einführung der allgemeinen Schulpflicht in Deutschland können im so genannten Land der Dichter und Denker etwa vier Millionen Erwachsene nicht richtig lesen und schreiben. Man muss allerdings davon ausgehen, dass die Zahl noch erheblich höher ist.  
6. Oft müssen Analphabeten die Schule ohne Schulabschluss beenden. Das sind in Deutschland in jedem Schuljahr etwa 80.000 Schulabgänger. Sie gehören zur Risikogruppe, denn sie sind fast ohne Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Sie vergessen deshalb oft auch das Wenige, was sie in der Schule gelernt haben. Denn im Gegensatz zum Schwimmen können Lesen und Schreiben wieder verlernt werden.
1. Lesen und Schreiben lernt jedes Kind in der Grundschule. Es ist mehr als selbstverständlich, dass Erwachsene ohne Schwierigkeiten mit Schrift umgehen können. Schließlich bestimmt Gedrucktes und Geschriebenes das alltägliche Leben. Dennoch schaffen es viele nicht, Straßenschilder, Namen von U-Bahnen, Bedienungsanleitungen, Verträge, Gebrauchsanweisungen oder Wahlzettel zu lesen.
7. Leider wird in Deutschland über dieses Thema wenig gesprochen. Wer trotz Schule nicht schreiben kann, gilt als dumm. Deshalb legen viele Analphabeten oft großen Wert darauf, nicht als solche erkannt zu werden. Sie versuchen mit viel Energie und Intelligenz zu verheimlichen, dass sie diese Schwächen haben.
2. Fast alle Analphabeten in Deutschland sind so genannte Analphabeten. Das heißt, sie können auf Grund der Schulpflicht einzelne Buchstaben oder sogar Worte wie ihren Namen lesen und schreiben. Ihre Kenntnisse reichen jedoch nicht aus, um zum Beispiel Warnhinweise am Arbeitsplatz oder einen Elternbrief aus der Schule zu lesen. Diese Gruppe der Analphabeten wird als Funktionale Analphabeten bezeichnet.
8. Für Außenstehende ist es unverständlich, warum Analphabeten nicht einfach lesen und schreiben lernen. Ihnen erscheint der Besuch eines Alphabetisierungskurses einfacher als das ständige Verheimlichen der Schwäche. Analphabeten berichten jedoch, dass sie sich im Laufe der Zeit eine riesige Angst aufgebaut haben, die sich immer mehr verstärkt.
3. Mit Dummheit oder mangelnder Intelligenz hat das wenig zu tun. Die Ursache ist meist ein Zusammentreffen von verschiedenen Faktoren. Zum Beispiel wirken sich neben individuellen Besonderheiten auch das Elternhaus und die Familiensituation negativ auf die Alphabetisierung aus. Erfahrungsberichte von Analphabeten zeigen, dass oft auch ihre Eltern nicht gut lesen und schreiben konnten.
9. Menschen, die sich entschließen, einen Alphabetisierungskurs zu besuchen, wollen unabhängig werden und Angst und Unsicherheit überwinden. Kursleiter berichten, dass der Beschluss, Lesen und Schreiben zu lernen, oft aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, gefasst wird.
4. Diese Kinder kennen meistens den Unterschied zwischen Buchstaben und Zahlen nicht und haben deshalb ganz andere Startchancen als solche Kinder, die eingeschult werden und schon lesen können. Sie müssten also von Anfang an gezielt gefördert werden.
10. Beim Bundesverband Alphabetisierung erhalten Rat suchende Analphabeten Unterstützung. Dieser Verein hat dafür das so genannte "Alfa-Telefon" eingerichtet. Ratsuchenden werden unter anderem Schulen und andere Institutionen in der Nähe ihres Wohnortes genannt, die Lese- und Schreibkurse für Erwachsene anbieten.
5. Ein Kind, das, aus welchem Grund auch, mehr Zeit oder Betreuung braucht, hat im Unterricht meist schon in den ersten beiden Schuljahren Probleme, mit den anderen Kindern mitzuhalten. Viele Lehrer sagen, dass ihnen keine Zeit bleibt, sich stärker für einzelne Schüler zu engagieren.
 


Die genaue Anzahl der Analphabeten in Deutschland ist nicht bekannt.    A
Lehrkräften ist es aus zeitlichen Gründen schwer möglich, sich um die jugendlichen Analphabeten zu kümmern    B
Verschiedene Institutionen helfen Analphabeten, ihre Probleme zu lösen    C
Vielfältige Gründe für das Auftreten von Analphabetismus    D
Gegen Analphabetismus kann man kämpfen    E
Furcht der Analphabeten vor der Entdeckung wird von vielen Menschen nicht verstanden    F
Notwendigkeit des Lesens in Alltagssituationen    G
Schwierigkeiten der Analphabeten bei der Jobsuche    H
Analphabeten geben sich mit ihren Schwächen nicht zu erkennen    I
Viele Analphabeten in Deutschland sind keine echten Analphabeten    J
Analphabeten verstehen nicht alles    K
Aus Furcht, ihren Job zu verlieren, melden sich Analphabeten für einen Kurs an    L
Probleme mit Schulanfängern, die Analphabeten sind    M