|
Trude R. wohnt im Haus Mobile - einem Gemeinschaftswohnprojekt für Jung und Alt, das von den Bewohnern selbst verwaltet wird. Fast 60 Menschen quer durch alle Generationen wohnen hier. Jeder vierte Hausbewohner in Haus Mobile ist älter als 60 Jahre. Alle haben ein gemeinsames Ziel: mehr als nur gute Nachbarschaft zu pflegen. "Gerade in Großstädten ist die Situation manchmal sehr unmenschlich", sagt die 66-jährige Rentnerin. So allein und isoliert wie viele ältere Menschen wollte sie nicht wohnen und schloss sich vor rund zehn Jahren einer Gruppe Gleichgesinnter im Kölner Verein "Neues Wohnen im Alter" an: "Wir möchten zwar selbständig, aber mit gemeinschaftlicher Verantwortung leben und damit Bedingungen schaffen, auch in den eigenen vier Wänden alt werden zu können."
Alle Wohnungen - von der Anderthalb- bis zur Fünf-Zimmer-Wohnung - sind mit zwei Aufzügen gut erreichbar. Der überwiegende Teil der Wohnungen ist barrierefrei, also ohne Stolperschwellen gebaut, und so zugeschnitten, dass auch Rollstuhlfahrer sich komfortabel darin bewegen können.
Braucht einer der älteren Hausbewohner Hilfe, so alarmiert eine per Schalter zu betätigende Lampe über seiner Wohnungstür die Wohnungsnachbarn. Diese können dann nach dem Rechten sehen und notfalls auch Hilfe herbeiholen. Es gibt aber vier ausgewiesene Seniorenwohnungen, die über ein direktes Notrufsystem zur nächsten Sozialstation verfügen.
Das "Herz" des Hauses - der Gemeinschaftsraum - liegt im ersten Stock. Hier besprechen die Bewohner auf den 14-tägigen Hausversammlungen nicht nur alle gemeinschaftlichen Angelegenheiten. Auch Feste, Spielabende und andere gemeinschaftliche Aktivitäten finden hier ganz nach Bedarf statt. |
Das Nachbarschaftscafé im Erdgeschoss ermöglicht zudem Siedlungsnachbarn und interessierten Besuchern zwanglose Kontakte mit den Hausbewohnern. Ein Gästeappartement mit einem angrenzenden geräumigen Bad dient Verwandten und anderen Besuchern gegen ein geringes Entgelt als Unterkunft. In Notfällen kann hier auch eine Pflegeperson übernachten.
Auch weniger gut situierte Senioren können sich Haus Mobile leisten: Das teilweise mit öffentlichen Geldern finanzierte Wohnmodell bietet nämlich von preiswerten Sozialwohnungen über frei finanzierte Mietwohnungen bis zu Eigentumswohnungen für jeden Geldbeutel etwas. Den Hausbewohnern entstehen - abgesehen von einem Mietkostenanteil für die Gemeinschaftsflächen von 53 DM pro Mietpartei - keine zusätzlichen Kosten. Allerdings müssen sich die Älteren um eventuell benötigte ambulante Dienste auch selber kümmern.
Die Bewohner legen großen Wert auf ihre Unabhängigkeit. Gegenseitige Hilfe findet auf freiwilliger Basis statt: "Hier kann ich mich jederzeit in die eigenen vier Wände zurückziehen", betont eine Mieterin, "aber eben auch Geselligkeit und Unterstützung bei anderen finden."
Die Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden fällt manchen Hausbewohnern anfangs schwer. Gemeinschaftsleben will gelernt sein, auch Spannungen bleiben dabei nicht aus. "Wenn es Probleme gibt, reden wir darüber", sagt Ruth L. Mit 76 Jahren ist sie die älteste Bewohnerin.
|